
Ein erfreulicher Neuzugang: Kürzlich erhielten wir diesen Halbakt eines alten Mannes als Schenkung.
Es ist eines der frühesten Werke von Willy Fries, das noch während seines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste in München entstanden ist. Hier zeigt sich bereits sein ganzes technisches Geschick, indem er den alten Mann beeindruckend lebensecht malte. Der Farbton der Haut, der vom Alter gezeichnete Körper, aber auch der Faltenwurf des Lendenschurzes sind überaus plastisch wiedergegeben. Bei dem dargestellten alten Mann muss es sich um ein Modell der Akademie gehandelt haben. Willy Fries hatte zunächst eine Version in Kohle ausgeführt, die ihm das Lob seines Lehrers Nikolaus Gysis (1842–1901) einbrachte, wie Fries in seinen Lebenserinnerungen schreibt:
«Der Zeichensaal bei Prof. Gysis war wirklich überfüllt mit Schülern, während in das Malatelier überzutreten der strenge Lehrer nur wenigen und erst nach ihm voll zufriedenstellenden zeichnerischen Fortschritten gewährte. Nach einem Jahr gehörte ich zu diesen Glücklichen, nachdem Gysis einen lebensgrossen Halbakt in Kohle von mir als eine von ihm besonders geschätzte Leistung an die Wand heften liess.» (aus: Willy Fries: Familienchronik I, S. 71. StRF, FA Fries 28 (2))
Auch das daraufhin ausgearbeitete Ölbild ist mit den Massen 97.5 x 83cm vergleichsweise gross. Das Gemälde wurde später von Musikdirektor Gottfried Angerer (1851–1909) gekauft, dem ehemaligen Klavierlehrer von Willy Fries und Bekannten seines Vaters. Über dessen Erben gelangte es in den Besitz der Familie Huber, die es im Nachlass des Grossvaters fand und uns freundlicherweise als Schenkung überliess.
