

100 Jahre Ingeborg Bachmann. Am 25. Juni 1926 wurde die grosse österreichische Lyrikerin und Schriftstellerin Ingeborg Bachmann in Klagenfurt geboren.
Hanny Fries lernte sie um das Jahr 1959 herum kennen, als Bachmann mit Max Frisch zusammenlebte. Bei einem Zusammensein in Frischs Wohnung in Uetikon am See hat Hanny Fries sie gezeichnet. Entstanden ist eine Serie von neun Zeichnungen, von denen zwei hier zu sehen sind.
Ingeborg Bachmann zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Sie studierte Philosophie, Germanistik und Psychologie in Innsbruck, Graz und Wien und promovierte mit einer Arbeit über die Philosophie Heideggers. Im Juli 1946 veröffentlichte sie mit «Die Fähre» ihre erste Erzählung. Nach einer Anstellung im Sekretariat der amerikanischen Besatzungsbehörde arbeitete sie ab Herbst 1951 als Redakteurin und Hörspielautorin beim Rundfunksender Rot-Weiss-Rot. 1953 erschien ihr erster Gedichtband «Die gestundete Zeit», für den sie den Literaturpreis der Gruppe 47 erhielt. Seither lebte sie überwiegend als freie Schriftstellerin zwischen Wien, München, Berlin, Zürich und ihrer Wahlheimat Rom. In ihrem literarischen Schaffen geht es um die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit, um Gewalterfahrungen, um die Rolle der Frau in einer patriarchal geprägten Gesellschaft sowie um existenzielle Themen wie Liebe, Schmerz, Verantwortung und Verlust. Bachmann starb 1973 im Alter von nur 47 Jahren an den Folgen eines Brandunfalls. Lesen Sie unten eine kleine Kostprobe aus ihrem Gedichtband «Die gestundete Zeit».
Quelle: Wikipedia, Lyrikline.org
Ingeborg Bachmann: Die große Fracht
Die große Fracht des Sommers ist verladen,
das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit,
wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit.
Die große Fracht des Sommers ist verladen.
Das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit,
und auf die Lippen der Galionsfiguren
tritt unverhüllt das Lächeln der Lemuren.
Das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit.
Wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit,
kommt aus dem Westen der Befehl zu sinken;
doch offnen Augs wirst du im Licht ertrinken,
wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit.
© Piper Verlag GmbH, München 1978
Aus: Die gestundete Zeit. 1953.
