
Der Titel unseres Ausstellungsformats «NewKammer» ist ein Wortspiel aus «Wunderkammer» und «Newcomer».
Die deutsch-englische Wortkreation verbindet die Idee einer Schausammlung verschiedenster Kunstwerke mit der Präsentation von Nachwuchskünstler:innen. Eine Wunderkammer umfasst eine Sammlung von Objekten unterschiedlicher Herkunft und Ausprägung, die nebeneinander präsentiert werden. Wunderkammern entstanden um 1500, als Fürsten und wohlhabende Bürger begannen, Sammlungen anzulegen und sie ausgewählten Kreisen zugänglich zu machen. In diesen Räumen wurde eine eklektische Mischung aus Naturalia (Naturwunder), Artificialia (Kunstwerke), Scientifica (wissenschaftliche Instrumente) und Exotica (Objekte aus fernen Ländern) gezeigt. Das oben gezeigte Frontispiz der Historia Naturale von Ferrante Imperato aus dem Jahr 1599 ist eine der ersten Darstellungen einer neuzeitlichen Wunderkammer.
Mit der Aufklärung und dem Aufkommen wissenschaftlicher Methoden im 18. Jahrhundert vollzog sich ein Paradigmenwechsel in der Sammelpraxis. Es ging nicht mehr um die Anhäufung seltener und wunderlicher Objekte, sondern um eine systematische Herangehensweise. So entstanden Museen als öffentliche Institutionen, die Wissen vermitteln und Objekte klassifizieren und ordnen sollten. Die Trennung von Kunst und Naturwissenschaften führte zur Entstehung spezialisierter Sammlungen und Ausstellungsräume.
Seit Ende des 20. Jahrhunderts lässt sich eine Rückbesinnung auf das Konzept der Wunderkammer beobachten. In der zeitgenössischen Kunst und Museumspraxis wird die Idee des assoziativen Sammelns und Präsentierens wieder aufgegriffen, um neue Perspektiven zu eröffnen und etablierte Kategorien zu hinterfragen.
Das Atelier Righini Fries hat in Kooperation mit dem Z-Kubator der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) das Konzept adaptiert und auf die Präsentation junger Kunstschaffender übertragen. Dabei zeigen Absolvent:innen des Förderprogramms «What’s Next_Compass» ihre aktuellen künstlerischen Positionen. Das Programm, das von der Stiftung Righini-Fries und der Stadt Zürich unterstützt wird, steht an der Schnittstelle zwischen Hochschulausbildung und dem Übergang ins Berufsleben und bietet mit einem eigenen Arbeitsraum, persönlichen Coachings und Workshops Unterstützung bei der Gestaltung der eigenen künstlerischen Laufbahn.
Mit der zusätzlichen Möglichkeit im geschichtsträchtigen Atelier der Malerdynastie auszustellen, möchte die Stiftung den jungen Kunstschaffenden eine öffentliche Plattform bieten. Der Raum, in dem über Generationen kreativ gearbeitet wurde und Neues entstand, wird so zum verbindenden Element über die Zeiten hinweg. Nach der erstmaligen Durchführung im Jahr 2024 lädt das Ausstellungsformat «NewKammer» unter dem Gastkurator Itay Blaish zu einer neuerlichen Entdeckungsreise ein. Die 19 ausstellenden Künstler:innen verwandeln das Atelier in eine Wunderkammer 2.0, in der mit Fotografie, Malerei, Kunsthandwerk, Skulptur und multimedialen Arbeiten ein breites Spektrum an künstlerischen Ausdrucksformen nebeneinander bestaunt werden kann.
Quelle:
Veronika Minkina: Wunderkammer – Evolution des Sammelns, 2025 (Onlinepublikation restauro.de); Wikipedia
