
Mal treiben sie allein daher, mal flutscht eine ganze Gruppe vorbei und mal drehen sie zu zweit ein Pas-de-deux.
Sie umschiffen elegant die Hindernisse, geraten in einen gefährlichen Strudel oder bleiben hängen: Die Buchstaben in Judith Alberts Videoarbeit «Letters on the Water», die in unserer aktuellen Ausstellung gezeigt wird, vollführen verblüffende Schwimmkünste. Die Künstlerin lässt die Buchstaben einen Fluss hinuntertreiben und überlässt sie den Kräften des Elements. Die Arbeit strahlt Leichtigkeit aus und öffnet gleichzeitig einen weiten Assoziationsraum. Die Situation erinnert an unsere fragile Existenz auf dem Fluss des Lebens. Aber auch die metaphorische Ebene des Sprachflusses kommt ins Spiel. Wir erwarten eigentlich, dass die Buchstaben ein Wort bilden und «lesbar» werden. Doch das tun sie nicht. Sie sind von ihrer Pflicht befreit, sich zu einem Wort zusammenfügen zu müssen. Der Tanz der Buchstaben wird von der Musik des bekannten Basler Perkussionisten Fritz Hauser untermalt. Der Klangteppich ist unaufdringlich und erinnert an perlende Wassertropfen.

In der Videokunst von Judith Albert spielt Wasser eine tragende Rolle. Sie nutzt das Fluide, nicht Greifbare des Elements, um traumähnliche Settings zu erschaffen und unsere Sehgewohnheiten zu unterlaufen. Bereits in einer frühen Videoarbeit von 1998 filmte sie sich dabei, wie sie unter Wasser ein Bett einrichtete. Eine alltägliche Handlung, die durch die Verlegung in die Unterwasserwelt eine absurd-zweideutige Note erhält. Die Künstlerin interessiert sich für die Wechselwirkungen zwischen inszenierten und zufälligen Momenten. Aktuell sind weitere ihrer Arbeiten in der Doppel-Ausstellung «Mehr Licht. Video in der Kunst» im Aargauer Kunsthaus und im Kunstmuseum Solothurn zu sehen.
Quellen:
Judith Albert. Ausst.-Kat. Kunstmuseum Solothurn. Wien: Verlag für moderne Kunst, 2017.
Judith Albert. Kein Wasser, kein Mond. Nidwaldner Hefte zur Kunst 6. Stans: Nidwaldner Museum, 2005.
www.judithalbert.ch
