
Sie erinnern an schlammig-trübe Tümpel, an sanft kräuselnde Wasserflächen oder gefrorene Pfützen: die «Wasserzeichnungen» von Patrick Rohner.
Der Künstler überträgt Prozesse, die in der Natur vorkommen, auf seine Kunst. Insbesondere die Geologie mit Phänomenen wie Schichtungen, Ablagerungen und Verschiebungen dient ihm dabei als Vorbild und Inspirationsquelle. Im Fall der «Wasserzeichnungen» legt er Büttenpapier unterschiedlicher Grösse in mit Wasser gefüllte Wannen und beschwert es mit Steinen. Dann schüttet er selbst hergestellte Farbe hinein und lässt sie darin trocknen. Dieses Verfahren wiederholt er mehrmals, sodass sich die Pigmente Schicht um Schicht ablagern – ähnlich den Sedimenten am Grund von Gewässern. So entsteht die wellenbewegte, fast dreidimensional anmutende Oberflächenstruktur seiner Wasserbilder.


Je nach Mischung der Pigmente ergeben sich unterschiedliche Farbeffekte. Wie bei geologischen Vorgängen üblich, dauert der Verdunstungs- und Absenkungsprozess Monate, oft sogar Jahre. Der Zeitfaktor ist ein wichtiger Teil von Rohners künstlerischer Arbeit. Interessant ist auch die Verbindung von zufälligen und bewusst gesteuerten Momenten. Einerseits gibt der Künstler ein Stück weit die Kontrolle über seine Bilder ab, indem er sie den Elementen überlässt, um sie zu vollenden. Gleichzeitig führt er aber akribisch Buch über jeden seiner Eingriffe und steuert die physikalischen Abläufe und chemischen Reaktionen. Auf Karteikarten protokolliert er minutiös, welche Farbe er wann beigemischt, wie viel Wasser er wann hinzugefügt oder welche Steine er wann verschoben hat.
Patrick Rohner nutzt das Naturelement Wasser als Material und überführt es in Bilder, die Assoziationen zu Wasserflächen wecken, aber auch tatsächlich Spuren von Wasser in sich tragen. So schliesst sich in gewissem Sinne der Kreis, wie schon Thales von Milet erkannt hatte: «Das Prinzip aller Dinge ist Wasser; aus Wasser ist alles, und ins Wasser kehrt alles zurück.»
Quellen:
Patrick Rohner. Massenbewegungen. Hrsg. von Johannes M. Hedinger. St. Gallen/ Berlin: Vexer, 2021.
Patrick Rohner. Verdichtungen, Materie und Prozesse. Ausst.-Kat. Kunstraum am Pfarrhof Leitershofen, 2025.
https://patrickrohnerartist.com
