
Das Plakat zur aktuellen Ausstellung ist eine freie Adaption eines Werbeplakats von Jacques Plancherel, das er zur Lancierung der Zeitschrift «Die Woche» gestaltet hatte.
Plancherel arbeitete ab 1945 als Buchgestalter für den Otto Walter Verlag in Olten. Dort war er der Initiator der neuen Zeitschrift «Die Woche». Inspiriert von ausländischen Magazinen wie «Paris Match» und «Life» wollte er ein ähnliches Format einer Bildzeitschrift in der Schweiz realisieren: eine wöchentliche Illustrierte mit Fokus auf grosszügigen Fotoreportagen. Plancherel erstellte das Gestaltungskonzept und übernahm die Bildredaktion. Am Montag, den 4. Juni 1951 erschien die erste Nummer, gleich mit einem aktuellen Bilderbericht vom wichtigsten Ereignis des Wochenendes: dem Züri-Fäscht. Die Macher der «Woche» traten mit dem Anspruch an, transparent, offen und unabhängig über aktuelle Zeitprobleme zu berichten: «‹Die Woche› wird Ihnen die Wahrheit sagen», tönte es selbstbewusst in der ersten Ausgabe.

Dazu passt Plancherels Werbeplakat zur Lancierung der Zeitschrift: Es enthält zwei grosse Augen – Zeichen der Neugier, des Wissens, der Wachsamkeit. Aus den zwei Augen schiessen drei Pfeile, die auf wichtige Merkmale der neuen Illustrierten hinweisen: Sie erschien jeden Montagabend (im Gegensatz zur Konkurrenz, die am Dienstag oder Mittwoch erschien) und war am Kiosk erhältlich. Nach einem etwas harzigen Start – «Die Woche» musste sich neben der grossen Konkurrentin «Schweizer Illustrierte» behaupten -, gelang es Plancherel, «Die Woche» zu einer innovativen Reportageplattform im Schweizer Zeitschriftenmarkt zu machen. Sie warb mit dem Slogan «Wer denkt, abonniert ‹Die Woche›» und positionierte sich als «Schweizer Illustrierte mit Niveau». Die Fotografie war für Plancherel ein wichtiges visuelles Medium, das er wirkungsvoll in Szene zu setzen wusste. Er arbeitete mit namhaften Fotografen wie Werner Bischof, Rob Gnant, René Groebli oder Theo Frey zusammen. Obwohl es die Redaktoren der «Woche» waren, die den Fotografen die Aufträge erteilten, war es Plancherel, der dann das Bildmaterial sichtete und die besten Bilder auswählte, um sie optimal im Layout der Zeitschrift zur Geltung zu bringen.
«Die Woche» erschien regelmässig während zwanzig Jahren, bis die stetig abnehmenden Abonnentenzahlen verbunden mit einer immer grösser werdenden Konkurrenz von in- und ausländischen Illustrierten, sinkenden Werbeeinnahmen und gestiegenen Produktionskosten, nicht mehr wettzumachen waren. 1973 schliesslich wurde der Betrieb eingestellt. – In der neuen Ausstellung im Atelier Righini Fries ist das Originalplakat für «Die Woche» zu sehen sowie weitere Dokumente zum Thema.
Quelle: Martin Gasser: Die Woche. In: Peter Pfrunder et al. (Hrsg.): Fokus 50er Jahre. Yvan Dalain, Rob Gnant und «Die Woche». Zürich: Limmat Verlag, 2003, S. 9-40.
